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Beschreibung

Die Filmprojekte der Ortspolizeibehrde Bremerhaven

Kinoprojekt - Schuld sind immer die anderen In den letzten Jahren wurden ber die Kriminalprvention Bremerhaven mehrere Kinoprojekte mit unterschiedlichen Kooperationspartnern erfolgreich durchgefhrt. Die bisher gezeigten Filme behandelten die Themen Gewaltausbrche, Cyber-Mobbing und Pdophile im Netz. Es konnten dadurch fast zweitausend Schler/innen aus allgemeinbildenden Schulen und berufsbildenden Einrichtungen erreicht werden.
Bisher haben wir gute Erfahrungen mit dem Medium Film gemacht, da bewegte Bilder die Zielgruppe strker ansprechen als Printmedien. Sie erzeugen vor allem auch eher emotionale Betroffenheit und sorgen so fr eine bessere Erreichbarkeit der Zielgruppe. Aus diesem Grund wurde auch in diesem Jahr ein Antrag auf finanzielle Untersttzung fr ein erneutes Filmprojekt ber den Prventionsrat Bremerhaven eingereicht und bewilligt.

Die Filmauswahl

Die Auswahl fiel auf den 93-mintigen Spielfilm "SCHULD SIND IMMER DIE ANDEREN", der sich mit den Themen Gewalt, Tter- und Opferrolle, Schuld und Shne, sowie Resozialisierung befasst. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern (Weisser Ring - Frau Ulrike Akah, GISBU/TOA - Frau Gisela Weier) und Mitgliedern des Prventionsrates stellten wir fest, dass der Film besonders dafr geeignet war, jugendlichen Zuschauern die Filminhalte auf ihre eigene Lebenswelt zu bertragen und auf diese Weise ihren persnlichen Umgang mit Gewalt, Opferrolle pp. kritisch zu berprfen.
Der preisgekrnte Film bildete eine hervorragende Grundlage fr die Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt, Schuld und Vergebung! Da im Mittelpunkt des Filmes jugendliche Straftter stehen, eignete dieser sich besonders fr die Diskussion mit Jugendlichen und Heranwachsenden. Im Film kommt das Opfer zu Wort, wobei diese Rolle dadurch ein greres Gewicht bekommt, gerade auch bezogen auf das vielfach vorhandene Meinungsbild, dass in unserer "Gesellschaft" der Tterschutz weit vor dem Opferschutz steht.

Die Veranstaltung

Nach einer etwa 10- bis 15-mintigen Anmoderation wurde der Film im Rahmen von drei Veranstaltungen am 21.und 22.10.2014 insgesamt 481 angemeldeten Teilnehmern (Schulklassen 8. bis 10. Klasse/ Ausbildungsklassen/-einrichtungen, inkl. Betreuer) in der Aula "Storm Deel" / die Theo in der Stormstrae in Bremerhaven vorgefhrt. Nach den Filmvorfhrungen wurde noch unter dem Eindruck des Gesehenen im Vorfhrungssaal eine 20- bis 30-mintige Diskussion, zusammen mit den Kooperationspartnern, ber Inhalte mit den Teilnehmern gefhrt. Aus Grnden der Nachhaltigkeit und der Mglichkeit einer spteren Bewertung mussten sich alle Teilnehmer vor und nach der Veranstaltung mit der Thematik auseinandersetzen, indem sie Fragebgen ausfllen konnten. Die Auswertungen der Fragebgen werden im weiteren Verlauf dieser Ausfhrung vorgestellt.

Der Filminhalt

Ben wei mit seiner Zeit nichts anzufangen. Perspektivlosigkeit und Langeweile haben ihn auf die schiefe Bahn gebracht. Er berfllt wahllos Menschen und schreckt auch nicht davor zurck, seinen Opfern Gewalt anzutun. Doch seine Straftaten bleiben nicht lange konsequenzlos. Er wird festgenommen und kommt in ein Jugendgefngnis. Doch weder Reue noch Mitleid zeigt er gegenber dem Sozialarbeiter Niklas. Doch Niklas gibt ihn nicht auf und bietet ihm eine einmalige Chance fr einen Neuanfang. In einem abgelegenen Waldhaus soll er als einer von sieben jugendlichen Strafttern in der familiren Gemeinschaft soziale Kompetenzen erlernen und Zuwendung erfahren. Es scheint Ben gut zu tun, doch als er auf seine Hausmutter Eva trifft, ist er geschockt: Sie ist eines seiner Opfer. Ben kam damals ungeschoren davon, denn der Fall wurde nie aufgeklrt. Whrend Ben alles unternimmt, um in der kleinen Gruppe nicht aufzufallen, wchst in Eva der Verdacht und Stck fr Stck kommt die Erinnerung zurck. Das Drama nimmt seinen Lauf."
(Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung FBW)

>>> Es ging in diesem Filmprojekt nicht darum, den Teilnehmern zu sagen; am Ende wird alles gut sein! Vielmehr sollten sie angeregt /sensibilisiert werden, darber nachzudenken, wer eigentlich bei einer Gewalttat auf der anderen Seite steht; nmlich ein MENSCH als OPFER, das vllig schuldlos in eine Rolle gedrngt wird, in der es niemals rein wollte und je nach Persnlichkeit auch nie oder erst nach einem langen Leidensweg wieder rauskommt! Als Opfer kann man sein Leben in der Regel nicht mehr so gestalten, wie man mchte. Das Leben, die "heile Welt", kann sich schlagartig verndern! Lebensziele, Wnsche, positive Vorstze, Lebensfreude, Trume, Partner, groe Ziele alles kann verloren gehen! <<<

Evaluation

Insgesamt haben sich fr das Filmprojekt 481 Teilnehmer aus verschiedenen allgemeinbildenden Schulen (8.-10. Klassen) und berufsbildenden Manahmen angemeldet, Betreuer bzw. Begleitpersonen mit einberechnet. Jedem der Teilnehmer wurde vor den Veranstaltungen ein Fragebogen auf dem Postwege zugestellt, um diesen anonym auszufllen und mir anschlieend bis sptestens vor Beginn der Veranstaltungen wieder zukommen zu lassen. Der zweite Fragebogen wurde nach der Veranstaltung den Betreuern/Begleitpersonen mit der Bitte ausgehndigt, ebenso zu verfahren und mir die ausgefllten Bgen zeitnah zur Verfgung zu stellen.
436 Fragebgen (90,1% der Gesamtteilnehmer) wurden mir vor und 251 (52,2% der Gesamtteilnehmer) nach den Veranstaltungen ausgefllt bergeben. Nach bisherigen Erfahrungen spiegelt die verhltnismig hohe Anzahl von Rcklufern das Interesse an diese Veranstaltung wider. Insgesamt konnten wir somit auf 687 Fragebgen zurckgreifen, davon 339 von mnnlichen und 348 von weiblichen Teilnehmern. Das Alter der Teilnehmer bewegte sich zu etwa 85% zwischen 14 und 16 Jahren.
Zwischenzeitlich wurde das Filmprojekt auf Nachfrage mit weiteren knapp 40 Jungerwachsenen in Berufsbildungsmanahmen durchgefhrt.
Die Fragebgen beschrnkten sich auf jeweils sechs Fragen zum Ankreuzen mit JA oder NEIN und JA, EHER JA, NEIN, EHER NEIN. Die Auswertung gestaltete sich teilweise problematisch, da einige Fragebgen unvollstndig und/oder unleserlich ausgefllt wurden, einige konnten gar nicht ausgewertet werden. Dadurch bedingt sind Abweichungen in der unterschiedlichen Anzahl der Antworten erklrbar. Aufgrund der unterschiedlichen Rckluferquote der Fragebgen vor und nach der Vorfhrung ist ferner eine vergleichende Auswertung schwierig, oftmals auch gar nicht mglich.

Ergebnis Fragebgen, die VOR den Veranstaltungen auszufllen waren

Rcklufer: 436 Fragebgen

1. Frage: Kannst Du Dir vorstellen, welche Folgen eine Gewalttat fr das Opfer haben kann?
(insgesamt 436 auswertbare Kreuze)
Nein: 48
eher Nein: 53
zusammen 23,1% der Rcklufer
Ja: 246
eher Ja: 89
zusammen 76,9% der Rcklufer
Fr uns eine recht hohe Zahl an Teilnehmern, die ber die Folgen einer Gewalttat beim Opfer keine Vorstellungen haben. Hier wird die Wichtigkeit des Hauptthemas, die Betrachtung der Opferrolle, deutlich.

2. Frage: Warst Du schon Mal Opfer oder Tter einer Gewalttat?
(insgesamt 250 auswertbare Kreuze)
Ja Opfer: 143 (32,8%)
Ja Tter: 107 (24,5%)
Davon Tter und Opfer: 35 (8%)
Nein, kein Tter / Opfer: 186 (42,7%)
Dieses alarmierende Ergebnis (57,3% in der Tter- und/oder Opferrolle von den gesamten Rcklufern) macht deutlich, dass man sich nach wie vor diesem Thema widmen sollte.

3. Frage: Kennst Du Einrichtungen, die Opfer nach einer Gewalttat untersttzen?
(insgesamt 422 auswertbare Kreuze)
Nein: 212 (48,7% der Rcklufer)
Ja: 210 (48,2% der Rcklufer)
Fr uns war bereits im Rahmen von Vorgesprchen deutlich herauszuhren, dass bei den Wenigsten Opferhilfeeinrichtungen bekannt sind. Dieses lsst mglicherweise den Schluss zu, dass man sich erst Erkundigungen einholt, wenn man sich auch tatschlich in der Opferrolle befunden hat oder gerade befindet.

4. Frage: Wie schtzt Du Dich ein; knntest Du als Einzeltter einer Gewalttat gegenber dem Opfer Mitleid zeigen?
(insgesamt 432 auswertbare Kreuze)
Nein: 61
eher Nein: 54
zusammen 24,1% der Rcklufer
Ja: 163
eher Ja: 154
zusammen 70,4% der Rcklufer
Siehe Frage 3. des Fragebogens NACH der Veranstaltung.

5. Frage: Knnte es als Opfer einer Gewalttat fr Dich hilfreich sein, ein Gesprch mit dem Tter zu fhren?
(insgesamt 429 auswertbare Kreuze)
Nein: 153
eher Nein: 80
zusammen 53,4% der Rcklufer
Ja: 129
eher Ja: 67
zusammen 45,0% der Rcklufer
Siehe Frage 4. des Fragebogens NACH der Veranstaltung.

6. Frage: Glaubst Du, dass Dir Filmveranstaltungen etwas bringen und Dich dazu bewegen, Deine Meinung zu ndern?
(insgesamt 423 auswertbare Kreuze)
Nein: 89
eher Nein: 98
zusammen 42,9% der Rcklufer
Ja: 147
eher Ja: 89
zusammen 54,1% der Rcklufer
Siehe Frage 5. des Fragebogens NACH der Veranstaltung.


Ergebnis Fragebgen, die NACH den Veranstaltungen auszufllen waren

Rcklufer: 251 Fragebgen

1. Denkst Du jetzt nach dem Film anders ber das Opfer einer Gewalttat?
(insgesamt 242 auswertbare Kreuze)
Nein: 49
eher Nein: 43
zusammen 36,7% der Rcklufer
Ja: 106
eher Ja: 44
zusammen 59,8% der Rcklufer
Das Ergebnis besttigt unsere Erfahrungen aus den letzten Jahren, dass Filmprojekte eine gewisse Sensibilisierung herbeifhren knnen. Da die Opferrolle in dem Film im Mittelpunkt stand und das Ziel u.a. war, die Opferrolle besser zu verstehen, drckt das Ergebnis bei 150 der Rcklufer (59,8%) und der 436 Teilnehmer (34,4%) zumindest aus, dass der Film etwas bewirkt haben knnte.

2. Denkst Du jetzt nach dem Film anders ber den Tter einer Gewalttat?
(insgesamt 226 auswertbare Kreuze)
Nein: 99 (39,4% der Rcklufer)
Ja: 127 (50,6% der Rcklufer)
127 von 251 Rcklufern (50,6%) und 436 Teilnehmern (29,1%) denken nach dem Film anders ber den Tter einer Gewalttat als vor der Veranstaltung. Auch dieses Ergebnis drfte aussagen, dass ber die Hlfte der Teilnehmer, die einen Fragebogen nach dem Film ausgefllt haben, Inhalte angenommen haben.

3. Knntest Du Dir vorstellen, jetzt nach dem Film als Tter gegenber dem Opfer Mitleid zu haben?
(insgesamt 232 auswertbare Kreuze)
Nein: 31 (12,4% der Rcklufer)
Ja: 201 (80,1% der Rcklufer)
Diese Frage wurde bereits im ersten Fragebogen gestellt. Hier wurde das Kreuz noch bei 70,4% der Rcklufer, im zweiten Fragebogen bereits bei 80,1% der ausgefllten Bgen gesetzt, d.h. eine Meinungsvernderung von fast 10%.

4. Wie schtzt Du Dich jetzt nach dem Film ein; knnte es fr Dich als Opfer einer Gewalttat hilfreich sein, ein Gesprch mit dem Tter zu fhren?
(insgesamt 223 auswertbare Kreuze)
Nein: 42
eher Nein: 57
zusammen 39,4% der Rcklufer
Ja: 69
eher Ja: 55
zusammen 49,4% der Rcklufer
Auch diese Frage wurde bereits im ersten Fragebogen gestellt. Im Ergebnis kam es bezogen auf die Anzahl der Rcklufer zu stark vernderten Ergebnissen. Vor der Veranstaltung tendierten 53,4% der Rcklufer zu Nein und 45% zu JA, nach der Veranstaltung nur noch 39,4% der Rcklufer zu NEIN und fast 49,4% zu JA. Die hohe ablehnende Haltung zu einem Gesprch zwischen Opfer und Tter (TAO) hat sich mit fast 15% deutlich reduziert, die Zustimmung eines Gesprches um fast 5% erhht.

5. Wrdest Du es gut finden, wenn sich solch ein Filmprojekt mit einem anderen Thema im nchsten Jahr wiederholt?
(insgesamt 242 auswertbare Kreuze)
Nein: 12
eher Nein: 21
zusammen 13,1% der Rcklufer
Ja: 172
eher Ja: 37
zusammen 83,3% der Rcklufer
Die Zahlen sprechen fr sich. Filmprojekte finden bei den Schlern Zuspruch. Fast 84% der Rcklufer wrden weitere Filmprojekte der Polizei als positiv bewerten. Die Skepsis aus dem ersten Fragebogen (Frage 6.) drfte sich mit diesem Ergebnis gelegt haben. Im ersten Fragebogen bewerteten fast 43% der Rcklufer Filmprojekte als eher negativ und nur etwas ber 54% positiv.

6. Welche Schulnote wrdest Du der ganzen Veranstaltung geben?
(insgesamt 246 auswertbare Kreuze)
Note 1: 35 (13,9% der Rcklufer)
Note 2: 155 (61,8% der Rcklufer)
Note 3: 41 (16,3% der Rcklufer)
Note 4: 13 (5,2% der Rcklufer)
Note 5: 2 (0,8% der Rcklufer)
Note 6: 0 (0,0% der Rcklufer)
Die Noten 1. und 2. wurde zusammengefasst 190-mal (75,7% der Rcklufer), die Noten 1., 2. und 3. zusammengefasst 231-mal vergeben (92% der Rcklufer). Im Ergebnis eine gute Note, die den gesamten Verlauf der Veranstaltung widerspiegelt, wie sich auch schon im Ergebnis der Frage 5. angedeutet hat.

Abschlieendes

Nach den Veranstaltungen erfuhren wir von den Teilnehmern / Begleitpersonen durchweg positive Resonanzen. Mehrfach wurde von externer Seite betont, dass ber visuelle Darstellungen gerade bei Jugendlichen wesentlich intensiver Kernbotschaften vermittelt werden knnen. Diese Meinung wird durch das berwiegend konzentrierte Verhalten whrend der Filmvorfhrung bekrftigt.
Aufgrund der Ergebnisse der Fragebgen, dem positiven mndlichen Feedback und auch sonstiger Wahrnehmungen whrend der Veranstaltungen durch die Kooperationspartner und Unterzeichner drfte das Projekt erfolgreich gewesen sein.
Im Groen und Ganzen drfte unser Ziel, Sensibilitt im Umgang mit der Tter-, insbesondere aber mit der Opferrolle, zu erzeugen und vielleicht auch zuknftig das eigene Verhalten in der einen- oder anderen Situation zu reflektieren, erreicht worden sein.
In den Medien (Nordsee-Zeitung, Radio Antenne, Radio Energy) wurde durchweg positiv ber die Veranstaltung berichtet. Die erste Veranstaltung wurde von SAT 1 begleitet und in einem ca. dreimintigen Fernsehbeitrag gesendet.
Es sollte geprft werden, ein solches Filmprojekt zu wiederholen, vielleicht auch mit Filminhalten ber "illegale Drogen / Karrieren".
Aufgrund der bisherigen Filmprojekte und den daraus resultierenden Erfahrungen mit den Rcklufern von Fragebgen sollte man sich allerdings berlegen, diese direkt vor und nach den Veranstaltungen von den Teilnehmern ausfllen zu lassen. So htte man eine hohe und vor allem identische Rckluferzahl, was sich in der Aussagekraft der Bewertungsergebnisse widerspiegeln drfte.

Fotos
Presse

Weg vom Tter, hin zum Opfer
Weg vom Tter, hin zum Opfer
(Nordsee-Zeitung vom 28.10.2014)

Polizei diskutiert mit 450 Schlern
Polizei diskutiert mit 450 Schlern
(Nordsee-Zeitung vom 21.10.2014)