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Beschreibung

Einleitung

Gewalt gegen Frauen und Mdchen ist ein Ausdruck der gesellschaftlichen Machtverhltnisse zwischen Mnnern und Frauen, die sich hier im Bereich der Familie zeigen. Gewalt gegen Frauen und Mdchen hat sowohl gesamtgesellschaftliche als auch individuelle Ursachen. Noch immer wird Gewalt gegen Frauen und Mdchen in der Gesellschaft nicht ausreichend gechtet, hufig werden die Tter nicht zur Verantwortung gezogen. In vielen Lebensbereichen haben Frauen keine Gleichstellung, in zahlreichen Familien gehrt Gewalt, husliche Beziehungsgewalt bzw. Gewalt in nahen Beziehungen zum Alltag. Seit 01.02.2018 ist die Istanbul-Konvention von 2011 (bereinkommen des Europarats zur Verhtung und Bekmpfung von Gewalt gegen Frauen und huslicher Gewalt) auch in Deutschland per Gesetz gltig

Ausma des Problems

Das Ausma dieses Problems kann fr Bremerhaven oder das Land Bremen nicht mit Zahlen belegt werden. Schtzungen fr die Bundesrepublik (Bayerisches Sozialministerium) gehen jhrlich von einer Zahl von ca. 4 Mio. Frauen aus allen sozialen Schichten aus, die regelmig von ihrem Partner oder Ehemann miss-handelt werden. Umfragen zufolge, die vom Bundesministerium fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend verffentlicht wurden, hat bereits jede 3. Frau durch ihren Partner Gewalt erfahren. Eine Expertengruppe des Europarats hat aufgrund von 10 Studien aus verschiedenen europischen Lndern zusammengefat, dass 6 - 10 % der Frauen jhrlich Opfer huslicher Beziehungsgewalt wurden und dass mindestens eine von vier Frauen in Europa darunter leidet, Gewalt von ihrem jetzigen oder ehemaligen Partner zu erleben. Nach Schtzungen kommen 5 % der Flle von huslicher Beziehungsgewalt zur Anzeige, d. h. 95 % aller Misshandlungen bleiben unverfolgt bzw. im Dunkelfeld (Mark, S. 7f). Im Land Bremen werden bei der Polizei erst seit dem Jahre 2000 Delikte von huslicher Beziehungsgewalt in der Eingangsstatistik gesondert ausgewiesen. Hufig werden nur die Flle zur Anzeige gebracht, in denen schwere krperliche Verletzungen auf Seiten der Frauen die Ursache sind. Die Flle, die nicht zur Anzeige kommen, sind als Dunkelfeld zu bezeichnen. Dazu mssen auch solche Flle gerechnet werden, bei denen der Einsatz der Polizei aus anderen Grnden (z. B. nchtliche Ruhestrung, Streit) erfolgt und eine Anzeigenerstattung unterbleibt. Bislang werden solche Flle nicht als "husliche Beziehungsgewalt" eingetragen.

Der Ansatz

Um Gewalt gegen Frauen und Mdchen wirkungsvoll zu bekmpfen, bedarf es eines umfassenden Konzepts fr die Stadt Bremerhaven, das sowohl eine sinnvolle Prvention als auch den Umgang mit huslicher Beziehungsgewalt enthlt. Die Familie gilt als die erste Sozialisationsinstanz fr Mdchen und Jungen; lebenslange Verhaltensmuster werden hier aufgebaut und knnen spter selten wieder verndert werden. Nach wie vor gilt die Familie in unserer Gesellschaft als Privatsphre, also als ein Ort, an dem sich niemand einmischt bzw. einmischen soll, auch nicht der Staat. "Die Prinzipien der Privatsphre und die Vorstellung von der Unantastbarkeit der Familie sind weitere Ursachen fr die anhaltende Gewalt gegen Frauen in der Gesellschaft" (UNO-Sonderbericht, S.15). Eine dort zitierte kanadische Studie wies nach, dass Mnner, in deren Familien die Ehefrauen bzw. Mtter misshandelt wurden, ihre eigenen Frauen mit einer 1000-fach hheren Wahrscheinlichkeit schlagen, als Mnner aus Familien, in denen keine Misshandlungen vorkamen (UNO-Sonderbericht, S.17).

Eine Definition

Die Istanbulkonvention, seit 2011 und seit 2018 in Deutschland in Kraft, definiert Gewalt gegen Frauen und Mdchen als Menschenrechtsverletzung; gleichzeitig verankert sie wichtige Manahmen zum Schutz von Frauen und Mdchen vor Gewalt in Europa, in den einzelnen Mitgliedsstaaten. Diese sind verpflichtet sie umzusetzen. In Deutschland sind dafr Bund, Lnder und Kommunen zustndig.
Die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen definierte Anfang 1997 anllich ihrer 52. Tagung husliche Gewalt als "jede geschlechtsspezifische krperliche, seelische und sexuelle Misshandlung, die von einem Familienmitglied gegen eine Frau in der Familie verbt wird". Dazu gehren auch jegliche Versuche einer solchen Misshandlung, einfache Krperverletzung, Drohungen, Einschchterungen, Ntigungen, Verfolgungen, Beschimpfungen sowie Zerstrung von Eigentum und sexuelle Gewalt (Menschenrechtskommission, C. Akte husliche Gewalt). Diese Ansicht wird auf einer Expertinnenkonferenz 1998 in sterreich untersttzt, wenn es bei den "Standards und Empfehlungen" unter den allgemeinen Grundstzen heit: "Gewalt ist vom Staat auch dann als kriminell zu chten, wenn sie sich in der huslichen Sphre ereignet. Gesetzgeber, Polizei und Justiz sollen alles unterlassen, dass so verstanden werden knnte, als ob eine in der Familie verbte im Vergleich zu einer in der ffentlichkeit begangenen Gewalttat, weniger schweres Unrecht darstellte."

Das Tabu

Gewalt in der Familie unterliegt nach wie vor einem gesellschaftlichem Tabu. hnlich wie noch vor einigen Jahren bei sexueller Gewalt / sexuellem Missbrauch an Kindern wird ber Gewalt in der Familie nicht gesprochen. Zudem gilt das Thema immer noch als ein Problem sozialer Randgruppen. Fakt ist jedoch, dass Mnner aus allen sozialen Schichten Gewalt gegen ihre Frauen ausben. Das Ziel von mnnlicher Gewalt gegen Frauen richtet sich darauf, in der "hierarchischen Beziehung zwischen den Geschlechtern", die als Ursache fr die Gewalt gegen Frauen angesehen wird, "...mnnliche Machtpositionen aufrecht zu erhalten oder wieder herzustellen" (Schweikert, S. 83 f).

Gewalterfahrungen

Die in dieser Beziehung lebenden Kinder wachsen in einem Gewaltklima auf und lernen - je nach Geschlecht - verschiedene Dinge und Verhaltensweisen: Mnner drohen, Frauen lassen sich einschchtern und schlagen, Mnner sind in ihrer Macht siegreich und setzen sich durch, Frauen haben sich anzupassen. Da viele Frauen das Verhltnis ihrer Kinder zum Vater nicht "stren" wollen, erzhlen sie ihnen hinsichtlich der Gewalt Halbwahrheiten oder Lgen und machen sich damit in den Augen ihrer Kinder selber unglaubwrdig. Der aus diesen Erlebnissen resultierende Lernprozess fr die Kinder kann eindeutiger nicht zusammengefasst werden. Heute ist auch bekannt, wie Gewalt in einer Beziehung schrittweise zu etwas Normalen wird: Die Frau passt sich der Gewalt an, isoliert sich immer mehr und erlebt die Gewalt nach und nach als berechtigt.

Die ffentlichkeit

Die ffentliche Meinung untersttzt nach wie vor "weibliches" (anpassendes) bzw. "mnnliches" (dominantes) Rollenverhalten. Diese Sozialisationsmuster, die bei Kindern und Jugendlichen geprgt werden - insbesondere in Familien, in denen husliche Beziehungsgewalt stattfindet - werden von unserer Gesellschaft nicht in Frage gestellt. Im Gegenteil, jedes Kind lernt von klein auf, wie eine Frau und wie ein Mann zu sein haben. Sie lernen dieses in der Erziehung, aus den Medien, der Werbung und in ihrem sozialen Umfeld. Gleichzeitig werden sie mit der Erwartung konfrontiert, dass sie ihre Probleme selbst lsen sollen.

Angebote

Fr Kinder, die Gewalt in nahen Beziehungen erleben, gilt es Angebote zu schaffen, die bereits in der Kita und in der Schule diese Probleme offen ansprechen und bearbeiten. Dieses ist nur mglich, wenn die berufliche ffentlichkeit wie Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, rztinnen und rzte, Psychologinnen und Psychologen verstrkt auf Anzeichen von huslicher Beziehungsgewalt reagieren, wie sie es schon seit etlichen Jahren bei Anzeichen von sexuellem Missbrauch tun. Nur durch das Ansprechen der Probleme und die Auseinandersetzung mit dem Thema "husliche Beziehungsgewalt" knnen die Mauer des Schweigens und das noch immer vorherrschende Tabu durchbrochen werden. Nur wenn Kita und Schule an Mdchen und Jungen die Aufforderung richten, Konflikte gewaltfrei zu lsen, lernen sie auch Gewaltanwendung zwischen Mann und Frau in einer Partnerschaft in Frage zu stellen.

Tter / Opfer

Tter und Opfer huslicher Beziehungsgewalt werden in unserer Gesellschaft ebenfalls unterschiedlich bewertet. Wenn eine Frau sich in einer gewaltttigen Partnerschaft befindet und diese nicht sofort verlsst bzw. beendet, stt sie hufig auf das Unverstndnis ihrer sozialen Umwelt. Die seit 1976 in der Bundesrepublik eingerichteten Schutzeinrichtungen (Frauenhuser) ermglichen es den Frauen, kurzfristig den Ort der Gewalt zu verlassen. Weitergehende Betreuungsangebote, die u. a. dazu dienen, die Frauen so zu stabilisieren, dass sie sich aus dem Kreislauf der Gewalt lsen knnen, sind bisher nur wenig bekannt und werden unzureichend finanziert. Dieses wird von den Mitarbeiterinnen in den Frauenhusern immer wieder beklagt, denn etliche Frauen, die vorbergehend im Frauenhaus Aufnahme gefunden haben, kehren zu ihrem gewaltttigen Partner zurck, wenn sie keine andere Mglichkeit fr sich sehen. Die Folge ist, dass sie wiederholt Schutz im Frauenhaus suchen. Da diese Situation als unzumutbar zu bewerten ist, denndas Opfer einer Straftat muss mit seinen Kindern die Wohnung und damit das gewohnte Umfeld verlassen. Daher wurde 2001 das Gewaltschutzgesetz (bundesweit) im Zusammenhang mit dem Wegweisungsrecht (Bundeslnder) eigefhrt. Danach kann ein Tter bis zu 10 Tagen aus der Wohnung gewiesen werden. In dieser Zeit kann die betroffene Frau regeln, wie sie ihre Lebenssituation und die ihrer Kinder ndern will. Dazu kann sie auch die alleinige Zuweisung der Wohnung an sie bei Gericht beantragen.

Durchbrechen des (Gewalt-) Kreislaufs

Der Gewaltkreislauf bei huslicher Beziehungsgewalt kann nur gestoppt werden, wenn auch die Tter/Mnner mit einbezogen werden. Ohne ein Zur-Verantwortung-Ziehen der Tter von huslicher Beziehungsgewalt werden diese "in ihrer Haltung gestrkt und vor Konsequenzen geschtzt" (Schweikert, S. 91). Sinnvoll wren Angebote, die sich an den Tter mit dem Ziel richten, sein Verhalten zu ndern. Diese Angebote sollten kurzfristig nach der Tat an den Tter herangetragen werden knnen. "Schutz von Frauen vor Gewalt und konsequente Verfolgung der Tter knnen nur verwirklicht werden, wenn die Verantwortlichen konsequent handeln, miteinander kooperieren und entsprechend ausgebildet sind" (Aktionsplan der Bundesregierung). Gleichzeitig muss eine Sensibilisierung der ffentlichkeit gefrdert und erreicht werden. Da die Grundmuster fr husliche Beziehungsgewalt in der Familie geschaffen und bislang von allen anderen gesellschaftlichen Sozialisationsinstanzen und Institutionen hingenommen oder nicht beachtet werden (Kitas, Schulen, rzte, Krankenhuser, Jugendamt, Polizei, Justiz etc.), knnen nur sinnvolle, verbindliche und miteinander vernetzte Manahmen in allen Bereichen dazu fhren bzw. beitragen, den Gewaltkreislauf zu durchbrechen.

Die einzelnen Manahmen fr Bremerhaven

Die im Konzept dargestellten Manahmen beziehen sich auf die Bereiche betroffene Frauen, Kinder und Jugendliche, begleitende Hilfen und Beratungsmglichkeiten, Gesundheit, Polizei und Justiz, Prvention. Das Konzept wurde unter Federfhrung der ZGF / Gleichstellungsstelle im Auftrag der Stadt Bremerhaven von einem ExpertInnengremium erarbeitet. In den vergangenen Jahren hat die ZGF zu diesem Thema mehrere Informations-Leporellos in verschiedenen Sprachen herausgegeben; u.a. "Wenn der Ehemann oder Partner gewaltttig ist" (deutsch, englisch, franzsisch, russisch, trkisch) "Information Hilfe bei Gewalt" fr geflchtete Frauen (deutsch, englisch, franzsisch, trkisch, arabisch, kurdisch) Alle Informationen, Beratungsstellen und weitergehende links sind hier zu finden: https://www.gewaltgegenfrauen.bremen.de/

Fr weitere Informationen steht Ihnen das Konzept als PDF-Datei zum Download zur Vefgung.