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Beschreibung

Fortsetzung des Fachtages vom 01.11.2013

Bestimmt das Gehirn unser Handeln? Der Fachtag vom 1.11.2013 hatte das Ziel, die neueren Erkenntnisse von Neurowissenschaften, Psychiatrie und Psychologie zu vermitteln. Gerade im Bereich der Hirnforschung sind Erkenntnisse gewonnen worden, die einen direkten Zusammenhang mit späteren Auffälligkeiten in der Familie, in Kindertagesstätten, Schulen und gesellschaftlichen Zusammenhängen (z. B. Familien– und Strafrecht) aufzeigen und erklären können. Die Erkenntnisse dieses Fachtags wurden in dieser Folgeveranstaltung aufgegriffen und zunächst in einem Referat von Michael Stiels-Glenn vertieft. Seine Thesen wurden anschließend in einem interdisziplinären Austausch der TeilnehmerInnen mittels eines World Cafés diskutiert.

Der Vortrag

Im Ruckgriff auf den Fachtag vom 1.11.2013 nahm Michael Stiels-Glenn die Kernthesen auf und vertiefte diese. Dabei ging er besonders auf folgende Aspekte ein:

  • Das Gehirn ist keineswegs eine handelnde Person, es ist umgekehrt: die handelnde Person, das Selbst oder das Ich, ist Trager und Besitzer eines Gehirns.
  • Der alte Streit: vererbt oder gelernt, Anlage oder Umwelt, stellt sich heute nicht mehr so. Stattdessen: vererbt UND gelernt, Anlage UND Umwelt. Die Ergebnisse der Epigenetik zeigen, dass ausere Faktoren auf die Genexpression wirken - einfach gesagt: Teile der genetischen Ausstattung einoder ausschalten. Gewalt, Hunger, sexuelle Ubergriffe konnen also dafur sorgen, dass Teilabschnitte der Gene nicht mehr so ausgelesen werden konnen wie vor den Ereignissen. Und diese Veranderung der Gene wird vererbt.
  • Alle Mutationen und genetischen Pradispositionen mussen sich dem Praxistest des Lebens in einer gegebenen Umwelt stellen (Dawkins: Niemand kennt das Eichhornchen, das einmal einen halben Meter zu kurz springt).
  • Falsch verstandene Hirnforschung und falsch verstandene Psychotherapien sehen Menschen ausschlieslich als Individuen, die aus ihrem Umfeld isoliert werden und vollig unabhangig handeln konnen. Ein solches Verstandnis fuhrt in die Sackgasse.
  • Zu geschlechtsspezifischen Unterschieden steckt die Forschung immer noch in den Kinderschuhen. Es lasst sich feststellen, dass es in der Feinstruktur und in der Funktion des Gehirns Unterschiede zwischen mannlichen und weiblichen Gehirnen gibt.

Diese Thesen wurden nach dem Vortrag in einem interdisziplinaren Austausch von den TeilnehmerInnen mittels eines World Cafes diskutiert.

Die Kooperation

Der Fachtag wurde vom Präventionsrat Bremerhaven in Kooperation mit ARTgerecht e.V., dem Amt für Jugend, Familie und Frauen, dem Gesundheitsamt, dem Lehrerfortbildungsinstitut (LFI) und der Volkshochschule Bremerhaven finanziert und unterstützt.

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