Inhalt ausblenden
Voraussetzungen für den Erwerb des Siegels »Schule für ein friedliches Miteinander«

Stärker als bei dem Siegel »gewaltfreie Schule« für die Sekundarstufe I soll für die Grundschulen der Gedanke der Gewaltprävention durch Entwicklung und Stützung der sozialen und personalen Kompetenz der Schülerinnen und Schüler und den Aufbau eines positiven Selbstbildes in den Blick genommen werden. Schülerinnen und Schüler, die mit entsprechenden Fähigkeiten und Einstellungen die Grundschulen verlassen, werden in den weiterführenden Schulen die Gewaltproblematik verringern helfen.

Ein besonderes Merkmal im Rahmen der Zertifizierung im Bereich der Grundschulen ist die Bildung eines Netzwerkes. Mit der Zertifizierung ist die Schule gleichzeitig Teil des Netzwerkes Bremerhavener Grundschulen für ein »friedliches Miteinander«. Über das Netzwerk ist gewährleistet, dass Schulen sich über ihre Vorhaben, Projekte oder Maßnahmen bezüglich Gewaltprävention, aber auch der Ausgestaltung eines positiven, entspannten Schulklimas austauschen und gemeinsame Ideen entwickeln. So bleiben die Schulen weder im Stadium der Antragstellung noch nach der Zertifizierung allein.

Welche genauen Voraussetzungen sind gefordert? Was ist konkret zu tun?

nach oben
nach oben
1. Darstellung der grundsätzlichen Orientierung auf ein friedliches Miteinander

Neben dem Unterrichts- hat die Schule einen umfassenden Erziehungsauftrag, der auch die Herstellung eines friedvollen und von wechselseitigem Respekt geprägten Miteinanders in der Schule beinhaltet. Diese Aufgabe ist im Bremischen Schulgesetz verankert und hat darüber hinaus den Rang eines verfassungsmäßigen Auftrages. Die Gewaltprävention ist somit nicht nur mittelbar zur Sicherung einer effizienten Lehrstoffvermittlung geboten. Ihr wird im Rahmen sozialen Lernens ein eigenständiger Rang eingeräumt. Jede Schule wird daher für sich – ausgehend von diesem Erziehungsauftrag – eine allgemeine Haltung gegenüber schulischer Gewalt bzw. der Orientierung auf ein gewaltfreies Miteinander formulieren und programmatisch verankern müssen. Eine solche kollektiv geteilte Haltung ist unverzichtbar für die Entwicklung und Umsetzung konkreter Regeln und sonstiger Instrumente der Gewaltprävention. Formblatt

nach oben
nach oben
2. Erschließung der Handlungsfelder

Für den Erwerb des Siegels »Schule für ein friedliches Miteinander« müssen sich bewerbende Schulen in vier festgelegten Handlungsfeldern der Gewaltprävention solche Strukturen und Vorarbeiten nachweisen, die eine systematische Integration dieser Bereiche in die Schulkultur binnen drei Jahren realistisch erscheinen lassen. Die teilweise aufeinander aufbauenden und sich ergänzenden Handlungsfelder betreffen

  • die Verankerung einer verbindlichen Gewaltdefinition und konkreten Verhaltensregeln für ein friedliches Miteinander,
  • die Stärkung der sozialen und personalen Kompetenz der Schülerinnen und Schüler,
  • die Stärkung der Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler und
  • die Bereitschaft zur Konfliktlösung und Kooperation im Kollegium.

Die Schulen müssen in ihren Bewerbungen überzeugend darlegen, dass sie ihre Präventionsaktivitäten zu den Handlungsfeldern systematisch optimieren und fest in die Schulentwicklung und den Schulalltag einbinden. Gefordert ist neben einer überzeugenden Alltagstauglichkeit und praktischen Relevanz deshalb auch die Sicherung der Nachhaltigkeit der Aktivitäten. Diese ist zu gewährleisten durch feste personelle Zuständigkeiten, eine programmatische Verankerung wie auch durch verbindliche Evaluationsprozesse zur Wirkungskontrolle. Letztere machen ggf. notwendige Anpassungen der Instrumente an veränderte Schulwirklichkeiten bzw. Problemlagen sichtbar und erst möglich.

Die Bestimmung der Handlungsfelder wurde bewusst so weit gefasst, dass den Bewerbern bei der eigenständigen Optimierung von Instrumenten und Methoden der schulischen Gewaltprävention genügend Spielraum bleibt, um an den konkreten Rahmenbedingungen, Kompetenzen und pädagogischen Dispositionen anknüpfen zu können. Diese Anschlussfähigkeit und eigenständige Entwicklungsprozesse sind die Basis für eine Identifikation der Schulakteure mit ihren Präventionsaktivitäten.

nach oben
nach oben
3. Identifikation der Schulakteure mit der Erklärung zum friedlichen Miteinander

  • Beschluss der Gesamtkonferenz und des nicht unterrichtenden Personals: Zustimmung mindestens 80%
  • Erklärung der Schülerinnen / der Schüler: Zustimmung mindestens 80%
  • Erklärung der Eltern / Erziehungsberechtigten: Zustimmung mindestens 80%

nach oben
nach oben
4. Evaluation

Zunehmend entwickelt sich auch in Schulen die Einsicht, dass Erfolg, Nachhaltigkeit oder Anpassung von ergriffenen Maßnahmen – wie etwa der Gewaltprävention - durch systematische Formen der Selbstüberprüfung belegt werden müssen. Genau wie bei der Vergabe des »Siegels gewaltfreie Schule« in der Sekundarstufe I ist die Integration von Selbstevaluationsprozessen in die Gewaltprävention ein zentrales Bewertungskriterium. Für jedes bearbeitete Handlungsfeld ist zu dokumentieren, wie, in welchen Zeitabständen und von wem die Tragweite, Verbindlichkeit und Wirkungsweisen der konkreten Präventionsaktivitäten überprüft werden. Bezüglich des Ausmaßes der Selbstüberprüfung soll der Tatsache, dass die vorhandenen personalen Ressourcen einer Schule endlich sind, Rechnung getragen werden.

nach oben
nach oben