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Was ist das Netzwerk Bremerhavener Grundschulen für ein »friedliches Miteinander«?

Das Netzwerk Bremerhavener Grundschulen für ein »friedliches Miteinander« ist ein Projekt des Präventionsrats der Stadt Bremerhaven. Er benennt aus seiner Mitte Koordinator/innen, die das Netzwerk leiten.

Mit dem Netzwerk Bremerhavener Grundschulen für ein »friedliches Miteinander« wird auch für die Grundschulen in Bremerhaven ein Siegel für eine vorbildliche schulische Arbeit im Bereich der Gewaltprävention und im Umgang mit Gewaltphänomenen an der Schule verliehen. Dabei orientieren sich die Voraussetzungen am Siegel der Schulen im Sekundarbereich I »Gewaltfreie Schule«, letztlich aber soll es ein eigenständiges Zertifikat sein.

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Warum ist es notwendig und wünschenswert, das Phänomen Gewalt schon in der Grundschule verstärkt in den Blick zu nehmen?

„Auch die Grundschule wird von Konflikten und Gewalt in vielfältigen Formen nicht verschont. Wenn auch das Ausmaß im Vergleich zu anderen Schularten geringer ist, so stellt Gewalt doch auch hier ein gravierendes Problem dar. Verbale Grenzüberschreitungen, Mobbing, Ausgrenzung, Drohungen, Erpressungen oder körperliche Gewaltanwendungen zerstören nicht nur die Grundlagen des Zusammenlebens- und -lernens, sie stellen auch den Lernerfolg in Frage. Lernen kann nur in einem Klima der Sicherheit und Anerkennung gelingen. Schulische Lernerfolge sind nicht nur von kognitiven Fähigkeiten und Leistungen abhängig, sondern immer auch von sozialen Gegebenheiten. Deshalb berührt Gewaltprävention und Umgang mit Konflikten die Basis des Lernens. Wenn soziales Lernen gefördert, die Kommunikation verbessert und Konflikte konstruktiv bearbeitet werden, so wirkt sich dies unmittelbar auf die Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler aus. Darüber hinaus wird Schule zu einem Ort des gewaltfreien Miteinanders, an dem man sich wohlfühlen kann.“(1)

Stärker als bei dem Siegel »gewaltfreie Schule« für die Sekundarstufe I soll für die Grundschulen der Gedanke der Gewaltprävention durch Entwicklung und Stützung der sozialen und personalen Kompetenz der Schülerinnen und Schüler und den Aufbau eines positiven Selbstbildes in den Blick genommen werden. Schülerinnen und Schüler, die mit entsprechenden Fähigkeiten und Einstellungen die Grundschulen verlassen, werden in den weiterführenden Schulen die Gewaltproblematik verringern helfen.

Ein besonderes Merkmal im Rahmen der Zertifizierung im Bereich der Grundschulen ist die Bildung eines Netzwerkes. Mit der Zertifizierung ist die Schule gleichzeitig Teil des Netzwerkes Bremerhavener Grundschulen für ein »friedliches Miteinander«. Über das Netzwerk ist gewährleistet, dass Schulen sich über ihre Vorhaben, Projekte oder Maßnahmen bezüglich Gewaltprävention, aber auch der Ausgestaltung eines positiven, entspannten Schulklimas austauschen und gemeinsame Ideen entwickeln. So bleiben die Schulen weder im Stadium der Antragstellung noch nach der Zertifizierung allein.

(1)Günther Gugel, Handbuch Gewaltprävention in der Grundschule, Seite 4

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Was ist das Siegel?

In den Ausführungen für das Siegel »Gewaltfreie Schule« für die Sekundarstufe I wird die Absicht, ein Siegel zu initiieren, wie folgt begründet:

„Der Präventionsrat Bremerhaven erachtet die gegenwärtige Sensibilität der gesamten Bildungslandschaft für das Thema Gewalt als Chance, ein aufeinander abgestimmtes Bündel an Präventionsinstrumenten systematisch in den Schulalltag zu verankern und so die Gewaltprävention als festen Baustein von Schulkultur zu etablieren. Und eine aktive und konsistente Gewaltprävention als integrales Handlungsfeld der Schulentwicklung ist nicht nur als verfassungsmäßig gegebener Gesetzesauftrag für die Schulen geboten. Sie ist im ureigenen Interesse der Schule als Institution und all ihrer Statusgruppen. Denn sie vermindert (a) konkretes Leid von Betroffenen, verbessert (b) die Lehr- und Lernbedingungen für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und ist (c) stets verbunden mit dem Erwerb sozialer Kompetenz bei allen Beteiligten. Sie ist Entlastung und Bereicherung zugleich.

Die Professionalisierung der Gewaltprävention ist eine große Herausforderung für die darauf nicht hinreichend vorbereiteten Schulen. Gerade jene Schulen, die mit oft erheblichem Engagement in diesem Feld aktiv geworden sind und eine vorbehaltlose Offenheit für bestehende Probleme dokumentieren, möchte der Präventionsrat unterstützen. Er möchte dazu einen Beitrag leisten, dass sich die Schulen noch stärker als bisher auf eine systematische, nachhaltig in den Alltag integrierte Gewaltprävention orientieren können. Gewaltprävention soll kein verschämt praktiziertes Randthema, sondern ein positiv besetzter Standortfaktor im Werben um neue Schülerinnen und Schüler sein. Bei den Überlegungen zur Unterstützung der Schulen stehen drei Aspekte im Zentrum. Die Schulen sollen

  1. eine inhaltliche Orientierung für die eigenständige Entwicklung und Verankerung einer systematischen und dauerhaft betriebenen Gewaltprävention erhalten,
  2. über gesamtschulische Projektzusammenhänge und die Etablierung feste schulischer Steuerungseinheiten zu einer Verstetigung und stetigen Optimierung der Gewaltprävention ermuntert werden und
  3. durch besondere Formen der Anerkennung für ihre Prävention dazu motiviert und dabei praktisch unterstützt werden, ihre Präventionsaktivitäten offensiv in die Außendarstellung einzubinden.“

Die hier formulierten Begründungen und Zielsetzungen gelten uneingeschränkt, wenn es um die Übertragung des Qualitätssiegels auf die Grundschulen geht.

Schon jetzt stellen sich viele Bremerhavener Grundschulen der Auseinandersetzung mit dem Gewaltphänomen und haben Programme zur Gewaltprävention entwickelt. Fraglich ist jedoch, ob die Motivation zur kontinuierlichen Arbeit an der Gewaltprävention erhalten werden kann, wenn die Bemühungen vor Ort nicht zu nachhaltigen Veränderungen des Schulalltags führen, also in fest verankerte, effektive Praktiken münden, die von den Schulakteuren als entlastend wahrgenommen werden.

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